UFSP Asien und Europa

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Monographien und Herausgeberschaften des UFSP Asien und Europa

Bettina Dennerlein / Elke Frietsch / Therese Steffen (Hrsg.) – "Verschleierter Orient - Entscheierter Okzident? (Un)Sichtbarkeit in Politik, Recht, Kunst und Kultur seit dem 19. Jahrhundert", W. Fink Verlag, Paderborn 2012

Verschleierter Orient - Entscheierter Okzident?
Seit dem 11. September 2001 ist der Islam zu einem zentralen Feindbild der westlichen Welt geworden. In unserer Bilderpolitik kommen zahlreiche Metaphern des Ver- und Entschleierns zum Einsatz, um das Eigene vom Fremden abzugrenzen. Der Okzident wird als freiheitlich, offen und transparent dargestellt, während der Orient verschleiert erscheint: undemokratisch, rückschrittlich, geheimnisvoll und bedrohlich. Diese politische Metaphorik ist geschlechtlich codiert. Die geheimnisvolle Haremsdame oder die unterdrückte Orientalin gehören seit der Aufklärung ebenso zu ihrem Repertoire wie Allegorien der Wahrheit, Freiheit und Gleichheit in Bildern nackter Weiblichkeit. Die interdisziplinären Beiträge des vorliegenden Bandes setzen sich kritisch mit diesen Phänomenen auseinander.

Ulrich Rudolph / Renate Würsch (Hrsg.) – "Grundriss der Geschichte der Philosophie: Die Philosophie in der Islamischen Welt: Band 1: 8.–10. Jahrhundert", Schwabe, Basel 2012

Die Philosophie in der Islamischen Welt
Thema des Bandes ist die Geschichte der Philosophie in der islamischen Welt bis zum Ende des 10. Jahrhunderts. Dabei werden zunächst die historischen Voraussetzungen vorgestellt: der Stand der philosophischen Diskussion in der Spätantike, die Rezeption einzelner griechischer Konzepte und Texte durch syrische Christen und schließlich die breite griechisch-arabische Übersetzungsbewegung, die eine Vielzahl antiker Werke einem neuen, höchst interessierten Kreis von Lesern zugänglich machte. Auf dieser Grundlage entwickelte sich rasch eine Philosophie in arabischer Sprache, die an antike Vorbilder anknüpfte, aber zugleich eigene Fragestellungen und Perspektiven ausbildete. Deutlich wird das vor allem an den drei herausragenden Autoren der Frühzeit: Abu Ishaq al-Kindi (gest. zwischen 861 und 866), Abu Bakr ar-Razi (gest. 925) und Abu Nasr al-Farabi (gest. 950). Aber es zeigt sich auch bei zahlreichen weniger bekannten Denkern, die teils in Anlehnung an al-Kindi und al-Farabi, teils mit eigenen Ansätzen philosophischen Fragestellungen nachgingen. 

Helmut Brinker – "Secrets of the Sacred: Empowering Buddhist Images in Clear, in Code, and in Cache", University of Washington Press, 2011

Brinker 2011
Secrets of the Sacred illuminates the role of icons and relics in Buddhist writing and practice, with particular attention to the transformation of inanimate material images into potent icons animated by the divine. The earliest canonical scriptures indicate that images of the Buddha were created before the concept of transcendental identity was developed. Later writings reveal a connectedness developed between image and deity, and eventually art transformed into a means of creating a receptive environment for communication with the divine power and attaining wisdom. The icon became the perceivable bodies of the divine. Esoteric practices within Buddhism trace back at least as far as the first century CE but did not develop into a religio-philosophic movement until after the fifth century. It relied on "mysteries" handed down from teacher to pupil. Sacred texts provided clear descriptions of the qualities and appearance of the Esoteric pantheon, but were so elaborate that they challenged the imagination and skill of Buddhist artists. Brinker traces the original meaning and function of individual icons and relics across the various schools of Buddhism. He discusses their origin, style, meaning, and individual histories. Beautiful illustrations complement the histories of these important icons and relics. Helmut Brinker is professor emeritus of East Asian art at the University of Zurich. His previous books include Treasures from the Rietberg Museum, Zen in the Art of Painting, Chinese Cloisonne: The Pierre Uldry Collection, and ZEN – Masters of Mediation in Images and Writings.

Bettina Dennerlein / Elke Frietsch (Hrsg.) – Identitäten in Bewegung. Migration im Film. transcript, Bielefeld 2011

Identitäten in Bewegung
»Festung Europa« – Wanderarbeit – Road Movie: Eine Reihe von Spielfilmen, Dokumentarfilmen und künstlerischen Videos hat sich in jüngerer Zeit mit dem Thema Migration beschäftigt.
Der Band greift diesen Zusammenhang von Medialität, Migration und Geschlecht auf: Im Zentrum der interdisziplinären Analysen stehen filmische Auseinandersetzungen mit Weltanschauungen, Religionen sowie Feindbildern, Stereotypisierungen und gesellschaftlichen Marginalisierungen. Darüber hinaus werden Prozesse des Aushandelns kultureller und sozialer Grenzen sowie die Schaffung von Subkulturen und Hybridisierung analysiert.
Ein materialreiches Werk zu den medialen Formen der Inszenierung von Identitätszuschreibungen und -dekonstruktionen.

Elham Manea – "Arab State and Women's Rights", Routledge, 2011

Manea 2011
Researchers studying gender politics in Arab societies have been puzzled by a phenomenon common in many Arab states – while women are granted suffrage rights, they are often discriminated against by the state in their private lives. This book addresses this phenomenon, maintaining that the Arab state functions according to a certain 'logic' and 'patterns' which have direct consequences on its gender policies, in both the public and private spheres. Using the features of the Arab Authoritarian state as a basis for a theoretical framework of analysis, the author draws on detailed fieldwork and first-hand interviews to study women’s rights in three countries – Yemen, Syria, and Kuwait. She argues that the puzzle may be resolved once we focus on the features of the Arab state, and its stage of development. Offering a new approach to the study of gender and politics in Arab states, this book will be of great interest to scholars and students of gender studies, international politics and Middle East studies.

Dominik Linggi – "Vertrauen in China", Springer VS Verlag, 2011

Linggi 2011
Während westliche Standardumfragen im Rahmen internationaler Ländervergleiche für die VR China überraschenderweise ein sehr hohes Niveau an generalisiertem Vertrauen messen, diagnostiziert die chinesische sozialwissenschaftliche Forschung eine Vertrauenskrise in der gegenwärtigen chinesischen Gesellschaft. Dominik Linggi analysiert diesen Widerspruch, indem er zunächst eine kritische methodische Betrachtung der statistischen Ergebnisse zu Vertrauen sowohl auf Länderebene als auch für China im Speziellen vornimmt. Anschließend erörtert er chinesische Forschungsarbeiten und präsentiert eigene Ergebnisse aus einer qualitativen Untersuchung zu Vertrauen in der VR China und in Taiwan.

Andrea Riemenschnitter – "Karneval der Götter – Mythologie, Moderne und Nation in Chinas 20. Jahrhundert", Peter Lang, 2011

Riemenschnitter 2011
Warum interessieren sich chinesische Intellektuelle und Kulturschaffende auch heute noch für den Mythos? Karneval der Götter ergründet diese Frage bezugnehmend auf Theorien zu ästhetischen und diskursiven Konstruktionen (post-)moderner nationaler Identität. Die Autorin veranschaulicht die Bedeutung von Mythen und Mythologien in der Moderne: Was zeichnet ihre narrativen Strukturen aus? Welche Rolle spielen Symbole in der Steuerung kollektiver Identitätsbildungsprozesse? Dynamiken sozialen Wandels spiegeln sich im beweglichen Einsatz mythologischer Vokabularien und Narrative wieder. Karneval der Götter erörtert auch, wie Aktualisierungen von Mythen die Möglichkeit eröffnen, Werte und Orientierungen zu hinterfragen, ohne die Kontinuität der eigenen Kultur aufkündigen zu müssen. Die Publikation analysiert schwerpunktmässig neuhistorische Romane erfolgreicher Autoren wie Mo Yan und zeigt deren Strategien der literarischen Remythisierung und Konstruktion eines polymythischen kulturellen Imaginaire auf. Sekundäre Mythen wie diejenigen der revolutionären Yan'an-Gemeinschaft oder einer globalkapitalistischen, harmonischen Konsumentengemeinschaft werden als ideologische Konstrukte entlarvt und primäre Mythen als wichtige Wegmarken des kollektiven Denk- und Vorstellungsraums einer ästhetischen (Gegen-)Moderne neu legitimiert.

Andreas Zangger – "Koloniale Schweiz", Transcript Verlag, 2011

Zangger 2011
Kolonialismus ist in der Schweiz kaum ein Thema. Doch obwohl das Land keine Kolonien hatte, lassen sich schweizerische Unternehmen und Migranten in allen Kolonien der Welt finden. Am Beispiel der Handelsstadt Singapur und des Plantagengürtels in Sumatra untersucht Andreas Zangger die Beziehungen der Schweiz zum Kolonialismus zwischen 1860 und 1930. Mittels migrationsgeschichtlicher und transnationaler Ansätze zeichnet er den Aufbau von Netzwerken nach und analysiert die Beziehungen zu den Kolonialmächten sowie zu den Kolonisierten. Zangger legt dabei Verflechtungen zwischen der Schweiz und Südostasien offen und zeigt die Bedeutung der sogenannten 'Schweizer Kolonien' in Übersee für Industrie, Handel und Wissenschaft in der Schweiz.

Andreas Bigger, Rita Krajnc, Annemarie Mertens, Markus Schüpbach, Heinz Wessler (Hg.) – "Release from Life – Release in Life – Indian Perspectives on Individual Liberation", Peter Lang, 2010

Bigger 2010
This volume consists of a collection of studies which are based on papers presented at the symposium "Erlöst leben – oder sterben, um befreit zu werden?" (Zurich, May 2008), organized in honour of Peter Schreiner. It offers a selective overview of individual liberation as dealt with in Indian texts and rituals at different times. Starting from the two prominent approaches to this problem, namely, that of jivanmukti ('liberation in one's lifetime'') and that of videhamukti ('liberation beyond the body'), some important questions have to be considered: How has life been thought compatible with moksa? How have 'life' in the concept of the 'liberated living' and 'death' in the concept of the 'disembodied liberated' been conceived by philosophers, poets, religious thinkers, ritual practitioners and social activists? Coming from various disciplinary backgrounds – Indology, Religious Studies, Social Anthropology – the contributors explore these questions in the context of their particular fields of research. Through this multi-faceted approach, the volume presents an original and substantial analysis of an intriguing topic touching on many aspects of religious and secular life. The careful interpretation of the sources by a group of internationally renowned scholars leads to critical perspectives on some crucial developments in the history of Indian religion.

Catherine Chammartin – "State-owned Banks", Schulthess-Verlag, 2010

Chammartin 2010
One of the truly timeless debates in Western political and economic discourse revolves around the optimality of state versus private ownership of commercial enterprises. This question is even more controversial for banking institutions as even decidedly market oriented economies have opted for at least partially state-owned banking systems. This thesis compares state-owned banks under China’s socialist market economy and Switzerland’s free market economy. Major chapters revolve around the constitutional legitimacy of state-owned banks, the extent of government ownership of the banking system in China and Switzerland, the public mandate of state banks, the restructuring and liquidation of state-owned banks especially the question of a possible state guarantee, selected corporate governance aspects and fitness and propriety requirements.

Mareile Flitsch, Lena Henningsen, Andreas Isler, Xujie Wu (Hg.) – "Die Kunst des Verfälschens – Ethnologische Überlegungen zum Thema Authentizität", Völkerkundemuseum der Universität Zürich, 2010

Flitsch 2010
"Authentisch" – dieser Begriff bestimmt unser Leben. Wir suchen nach authentischer Küche oder authentischen Reisezielen, nach authentischen Eingeborenen, Erlebnissen und Souvenirs. Gekauftes muss echt sein oder aber doch wenigstens die Aura des Authentischen an sich haben. Frühe Ethnologen wie Emile Durkheim und Philosophen wie Walter Benjamin haben darauf hingewiesen, dass Authentizität in der Moderne das ersetzt, was früher, dem Ritual zugeordnet, kultischen Werten entsprach. Eigentümliche Tempel unserer Zeit sind die Sammlungen und Museen. Wie im Mittelalter die Echtheit eines Reliquienknochens durch eine Prüfung zu belegen war, so braucht es heute Echtheitszertifikate und Expertisen, um Authentizität nachzuweisen. Die Menschen der Moderne haben – so eine Schlussfolgerung des amerikanischen Ethnologen Chalres Lindholm in seinem 2008 erschienen Werk "Culture and Authenticity" – die Sicherheit ihres Daseins verloren, sie suchen Gewähr und konstruieren neue Werte und Identitäten, sie suchen Authentizität. Schon die Kopie, vor allem aber die Fälschung, muss vor diesem Hintergrund als ein Sakrileg erscheinen.

Dorothea Lüddeckens, Rafael Walthert (Hg.) – "Fluide Religion – Neue religiöse Bewegungen im Wandel. Theoretische und empirische Systematisierungen", Transcript, 2010

Lueddeckens 2010
Neue religiöse Bewegungen sind zugleich Innovatoren und Indikatoren des religiösen Wandels moderner Gesellschaften. Unter den Vorzeichen von Individualisierung und Pluralisierung ist gegenwärtig ein Bedeutungsverlust totaler Gemeinschaften (»Sekten«) zugunsten unverbindlicher Formen religiöser Zugehörigkeit (»Spiritualität«) zu beobachten. Dies führt zur Zunahme religiöser Alternativen und fördert ihre wachsende Diffusion und Relevanz für das religiöse Feld. Erstmals liegt mit diesem Band eine theoretische Systematisierung dieses Prozesses vor, die durch Fallstudien zu verschiedenen religiösen Gemeinschaften wie Hare Krishna, New Age und evangelikalen Jugendkirchen ergänzt wird.

Knut A. Jacobsen, Helene Basu, Angelika Malinar, Vasudha Narayanan (Hg.) – "Brill's Encyclopedia of Hinduism, Vol. Two", Brill, 2010

Malinar 2010
Volume II of Brill's Encyclopedia of Hinduism builds upon the first volume by examining the sacred languages of Hinduism and its major religious texts, literary genres, and scholarly traditions as well as the vernaculars. It further explores the ritual traditions, including domestic rituals, mantras, and intoxication. In addition, performance and the arts such as martial arts, dance, and film feature prominently. The last section extensively investigates the meaning, connotations, and use of some forty leading concepts like karman, the self, renunciation, asceticism, meditation, and liberation. Sacred Texts, Ritual Traditions, Arts, Concepts is the second of ultimately five volumes, which will include an index in the final volume.

Christian Marek – "Geschichte Kleinasiens in der Antike", Beck, 2010

Marek 2010
Christian Marek und Peter Frei geben einen souveränen Überblick über 10.000 Jahre Historie eines menschheitsgeschichtlich hochbedeutenden Territoriums, wo sich der Prozess der Sesshaftwerdung des Menschen vollzog. Ägypter, Hethiter, Urartäer, Lykier, Karer, Phryger, Lyder, Assyrer, Griechen, Perser und Römer haben das Gebiet geprägt, das mit über 750.000 Quadratkilometern ziemlich genau dem Staatsgebiet der heutigen Türkei entspricht. Hier fand der Zug der Zehntausend statt, hier wurde das Geld erfunden, hier kämpfte Alexander der Große, hier zerfleischten sich die Diadochen, hier schuf Pompeius seine Neuordnung des Ostens, hier blühten Dichtung und Philosophie, hier missionierte der Apostel Paulus, hier verbreiteten sich die Häresien des Christentums. All diese und viele weitere Aspekte der Geschichte Kleinasiens in der Antike werden in diesem einzigartigen, reich bebilderten und mit zahlreichen Karten, Stammbäumen und Herrscherlisten ausgestatteten Werk lebendig und anschaulich dargestellt.

Ulrike Müller-Böker, Bishnu Raj Uperti (Hg.) – "Livelihoods Insecurity and Social Conflict in Nepal", RCO South Asia, NCCR North-South, 2010

Müller-Böker 2010
In this book, the basic causes of livelihood insecurity and social tension and conflict in Nepal are documented and analysed and possible ways of addressing these challenges envisioned. We do not claim that this book gives a comprehensive framework for addressing all the challenge this country is facing, but we firmly believe that it will contribute to a deeper understanding of the livelihood complexity of poor people and elucidate potential ways to enhance their livelihood security and contribute to solving social conflict in Nepal.

Shalini Randeria (Hg.) – "Border Crossings: Grenzverschiebungen und Grenzüberschreitungen in einer globalisierten Welt", VDF Hochschulverlag, 2010

Randeria 2010
Die vielfältigen Transformationsprozesse im Zuge der Globalisierung stellen herkömmliche politische, gesellschaftliche und kulturelle Grenzen zunehmend in Frage. Die erhöhte Mobilität von Menschen, Kapital, Gütern, Bildern und Informationen und die durch Telekommunikationstechnologien ermöglichte dichte Vernetzung von Individuen und Organisationen über nationalstaatliche Grenzen hinweg lassen die Globalisierung als Epoche der Grenzüberschreitungen erscheinen. Damit wird jedoch keine entgrenzte Weltgesellschaft eingeläutet; eher gehen die Veränderungen althergebrachter Grenzen mit neuen Grenzziehungen und der Verschiebung ihrer Bedeutung einher. Die Publikation widmet sich dem Spannungsfeld zwischen Grenzüberschreitungen und Grenzverschiebungen in einer globalisierten Welt, das seit einigen Jahren ins Zentrum des Interesses vieler Disziplinen gerückt ist, und dabei die Chancen und Risiken, die diese Prozesse bergen, problematisieren. Im Mittelpunkt stehen Fragen der Toleranz, Religion, Rechtsstaatlichkeit, Migration, Staatsbürgerschaft sowie der Transformation von familiären Bindungen sowie individuellen und kollektiven Identitäten und deren Auswirkungen auf die Herstellung von Solidarität und Ausschluss. Besondere Beachtung wird dem aussereuropäischen Kontext und der Geschlechterperspektive geschenkt. Es wird angestrebt, diese komplexen und hochaktuellen Fragen aus der Sicht der verschiedenen Sozial- und Geisteswissenschaften sowie der Rechtswissenschaft zu erhellen.

Tobias Heinzelmann / Henning Sievert (Hrsg.): Buchkultur im Nahen Osten des 17. und 18. Jahrhunderts. Peter Lang, Bern 2010

Buchkultur im Nahen Osten
Bücher waren in den Gesellschaften des Nahen Ostens ein Medium der Wissensvermittlung und des intellektuellen Austausches, aber zugleich ein Teil der materiellen Kultur und bisweilen sogar Gegenstand der Verehrung.
Die Beiträge dieses Bandes untersuchen unterschiedliche Quellen der Buchkultur im 17. und 18. Jahrhundert wie Kommentare, Bearbeitungen klassischer Texte, Übersetzungen oder Nachlassinventare.
Bücher und Bibliotheken werden als kulturelles und gesellschaftliches Phänomen untersucht: Welche Rolle spielten Bücher im Leben ihrer Leser? Wie wurden klassische Texte neu gelesen und weiterentwickelt? Auf welchen Wegen funktionierte transkultureller und intrakultureller Wissenstransfer? Wie kann der Einbezug der Buchkultur den Zugang zu den Quellentexten vertiefen?
Unter diesen und weiteren Aspekten zeigt der Band Wege zur Erforschung zweier spannender und für die Geschichte des Nahen Ostens besonders wichtiger Jahrhunderte auf. 

Norman Backhaus – "Globalisierung", Westermann Schulbuch, 2009

Backhaus 2009
Was ist Globalisierung? Wie hat sie sich entwickelt und welches sind ihre Triebkräfte? In welchen Feldern wirkt die Globalisierung und wie funktioniert sie? Mit welchen theoretischen Konzepten kann man sie fassen und vor welche Herausforderungen stellt sie uns? Mit ihrem Fokus auf Mensch-Umweltbeziehungen und deren räumlichen und zeitlichen Konsequenzen eignet sich die Geographie in besonderem Maße zur Analyse von Globalisierungsprozessen und zur Beantwortung der aufgeworfenen Fragen. Der Band greift dazu relevante Diskurse und Dimensionen auf: Weltökonomie, Arbeitsteilung, Nationalstaatensystem, militärische Weltordnung und Kultur. Anhand von Beispielen aus Wissenschaft und Alltag werden diese vor dem Hintergrund historischer Entstehungsprozesse erläutert. Die Nachzeichnung ihrer Entwicklungsphasen und Meilensteine führt zu einem vertieften Verständnis gegenwärtiger gesellschaftlicher Zustände, Vorgänge und Herausforderungen. Globalisierung wird ebenso unterschiedlich definiert wie konzeptionell gefasst. Sie kann als Weltsystem, Weltgesellschaft oder Konsequenz der Moderne begriffen werden. Je nach Zugang wird sie als homogenisierender oder fragmentierender Prozess verstanden, der zum Anwachsen oder zur Minderung sozialer, kultureller oder regionaler Disparitäten führt. Der Band schließt mit dem Herausgreifen globaler Herausforderungen, die sich heute stellen: die Risikogesellschaft, Verstädterung und Veränderungen der Beziehungen und Familienstrukturen.

Helmut Brinker – "Die chinesische Kunst", C.H. Beck, 2009

2009 Brinker
Die chinesische Kunst gehört zu den ältesten der Menschheit und umfasst mehr als acht Jahrtausende. Für Kaiser und Kenner, für Liebhaber, Gläubige und für den Totenkult geschaffen, fesselt sie unser Auge, obgleich sie von ganz anderen Voraussetzungen ausgeht als die westliche Kunst. Helmut Brinker, einer der besten deutschsprachigen Kenner, erläutert diese Voraussetzungen und gibt eine lebendige Einführung in die Vielfalt der chinesischen Malerei, Schriftkunst, Plastik und Architektur.

Laura Coppens, Yvonne Michalik (Hg.) – "Asian Hot Shots: Indonesian Cinema", Schüren Verlag, 2009

Coppens 2009
Indonesia is one of the most densely populated countries in the world. A unique cultural diversity has developed on its countless islands – yet the Western world knows surprisingly little about Indonesian culture. In particular, hardly anything is known about Indonesian film, which, as social seismograph, has the potential to communicate the views specific to this culture to the rest of the world. This book, with its contributions from renowned Australian, Dutch, German and Indonesian film experts, closes a gap by introducing this Asian film culture, which is increasingly gaining importance on an international level. Personal and biographical backgrounds are illuminated by interviews with the filmmakers themselves, in which they discuss their movies and offer insights into their viewpoints. By providing a multitude of perspectives, the book offers its readers access to this previously foreign film culture.

Angelika Malinar – "Hinduismus", Vandenhoeck&Ruprecht, 2009

Malinar 2009a
Der Hinduismus ist nicht allein durch eine lange Geschichte, sondern auch durch eine Vielfalt religiöser Traditionen und Praktiken geprägt, die zum größten Teil bis heute lebendig sind. Angelika Malinar bietet eine einführende Darstellung dieses religiösen Pluralismus und beschäftigt sich zunächst mit den Problemen und Deutungsvorschlägen, welche Definition und Beschreibung des Hinduismus aus einer wissenschaftlichen Perspektive aufwerfen. Anhand eines Überblicks über die Epochen der Geschichte des Hinduismus, die von den Anfängen in der vedischen Religion (ca. 1500 v.Chr.) bis in die Gegenwart reicht, werden die verschiedenen Texttraditionen und Religionsformen vorgestellt. Ausgewählte Themen und religiöse Praktiken werden im zweiten, systematisch angelegten Teil behandelt, wobei den sozialen und praktischen Dimensionen des Hinduismus besonderes Gewicht zukommt. Die Bedeutung des Tempels sowie der Rituale und Feste werden ebenso diskutiert wie wichtige religiöse Praktiken wie Pilgerschaft und Formen des religiösen Umgangs mit Krisensituationen. Die sozialen Dimensionen hinduistischer Religion werden in einer Darstellung des Kastensystems und des damit verbundenen Konzepts einer sozio-kosmischen Ordnung (dharma) in den Blickpunkt gerückt. Eine umfangreiche wissenschaftliche Bibliographie erlaubt eine weiterführende Beschäftigung mit dem Thema.

Angelika Malinar – "Un/Reinheit im Kulturvergleich ", Wilhelm Fink Verlag, 2009

Malinar 2009b
Die Opposition von rein und unrein ist für das Verständnis alter und moderner Kulturen grundlegend. Reinheit und Unreinheit markieren Diskurse über Tod und Geburt, Gesundheit und Krankheit, Recht und Sakrileg, über Geschlechterbeziehungen und nicht zuletzt über die Erfahrung von Kunst. Die in diesen Diskursen gesetzten Grenzen sind dabei jedoch zugleich für Übergänge und Überschreitungen freigegeben; es kommt zu provokativen Akten der 'Befleckung'. Dadurch werden komplex regulierte Prozesse der 'Reinigung' und Wiederherstellung nötig. Der kulturkomparatistisch angelegte Band rückt mit 16 Studien renommierter Vertreter der Altertumswissenschaften, der Theologie, Judaistik, Geschichtswissenschaft und Ethnologie, der Kunst-, Theater- und Filmwissenschaft sowie der Japanologie, Indologie und der Islamwissenschaft exemplarisch die Spannweite und Dynamik der Begriffsopposition in den Blick.

Knut A. Jacobsen, Helene Basu, Angelika Malinar Vasudha Narayananquot (Hg.) – "Brill's Encyclopedia of Hinduism, Vol. 1", Brill, 2009

Malinar 2009c
The five-volume Brill’s Encyclopedia of Hinduism is a thematically organized encyclopedia, presenting the latest research on all the main aspects of the Hindu traditions. Its essays are original work written by the world’s foremost scholars on Hinduism. The encyclopedia aims at a balanced and even-handed view of Hinduism, recognizing the divergent perspectives and methods in the academic study of a religion that is both an ancient historical tradition and a flourishing tradition today. Following a pluralistic approach, the encyclopedia embraces the greatest possible diversity, plurality, and heterogeneity. It thus emphasizes that Hinduism encompasses a variety of regional religious traditions, as well as a global world religion. Volume I of the Encyclopedia of Hinduism covers two main thematic fields. First it presents the regional traditions of Hinduism with articles on the Indian states and main regions of India and on historical regions outside of India. Here the reader will also find entries on sacred space and pilgrimage traditions, sacred time and festival traditions. The second thematic field concerns the various gods, goddesses and divine powers of Hinduism past and present.

Shalini Randeria, Andreas Eckert (Hg.) – "Vom Imperialismus zum Empire – Nicht-westliche Perspektiven auf Globalisierung", Suhrkamp, 2009

Randeria 2009
Afrika, Asien und Lateinamerika blicken auf eine lange Geschichte der wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Globalisierung zurück. Für all diese Kontinente stand die erste Begegnung mit dem Westen im Zeichen von Eroberung, Ausbeutung und Imperialismus. In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entstanden dort formal unabhängige und souveräne Staaten. Heute sind sie mit der "zweiten Globalisierung", die Michael Hardt und Toni Negri in Empire analysierten, konfrontiert. Anhand von aktuellen Beispielen zeigen die Autoren, daß dieser Prozeß entgegen der vorherrschenden Meinung nicht zu einer weltweiten Angleichung der Lebensbedingungen führt.

Andrea Riemenschnitter (Hg.) – "Diasporic Histories", Hong Kong University Press, 2009

Riemenschnitter 2009
Chinese migrant communities have reinvented their histories in many contexts, but the process of globalization has accelerated and diversified this phenomenon. Their fluid identities, innovative modernities, and generative talents in overcoming prejudice and multiple dislocations offer powerful examples of creative resistance to placebound traditions and nationalist histories. As the velocity of exchange in global media and commerce steadily increases, emergent and dynamic diasporas are increasingly influential in transnational discourses. This volume engages cultural representations of the subjectivities and loyalties of Chinese migrant communities, including analyses of aesthetic texts, as well as theoretical approaches in cultural studies. The book situates diasporic agency as an historical phenomenon with far-reaching political and social implications for both home and host societies and as a major site of contemporary cultural developments. By assembling a variety of regional, temporal, and disciplinary perspectives, it interrogates current notions of the diasporic subject, raising questions about respective ideological roots and cultural repositories as well as extensions and transgressions of new aesthetic vocabularies.

Andrea Riemenschnitter, Roland Altenburger, Martin Lehnert (Hg.) – "Dem Text ein Freund: Erkundungen des chinesischen Altertums (Robert H. Gassmann gewidmet)", Peter Lang, 2009

Riemenschnitter 2009
Dieser dem 2008 emeritierten Zürcher Sinologen Robert H. Gassmann gewidmete Band enthält siebzehn Beiträge aus dem Kreis seiner Fachkolleginnen und -kollegen. Die einzelnen Studien umfassen historisch und disziplinär verschiedene Arbeitsbereiche des Faches Sinologie, von der Antike bis in die Gegenwart, von der Archäologie bis zur Kulturwissenschaft. Den Forschungsschwerpunkten Robert Gassmanns entsprechend bilden philologisch-historische Arbeiten zu chinesischen Texttraditionen einen Schwerpunkt. Daneben befassen sich mehrere Beiträge mit bestimmten Aspekten der Han-Zeit, mit den Grabfunden von Mawangdui und mit dem Zhuangzi.

Raji C. Steineck – "Kultur und Bioethik – Eigentum am eigenen Körper", Nomos, 2009

Steineck 2009
In diesem Band werden Eigentums- und Verfügungsrechte mit Bezug auf die Ethik des menschlichen Leibes in Europa, Amerika, dem Mittleren Osten und Ostasien diskutiert. Wie steht es dabei um die Verfügungsrechte der Personen, zu denen der Körper als ihr Leib gehört? Die aktuellen ethischen Diskussionen über Rechte mit Bezug auf den eigenen Leib von Europa bis Ostasien und Amerika zeigen, dass je nach gesellschaftlicher Situation unterschiedliche Probleme im Vordergrund stehen. Im Allgemeinen herrscht Skepsis gegenüber der Subsumtion des menschlichen Leibes unter das Eigentum. Vereinzelt wird dies jedoch vorgeschlagen, um die Selbstbestimmung des Menschen gegen gesellschaftliche Ansprüche zu stärken.

Hans Bjarne Thomsen, Jennifer Purtle (Hg.) – "Looking Modern: East Asian Visual Culture from Treaty Ports to World War II", Art Media Resources, 2009

Thomsen 2009
Looking Modern: East Asian Visual Culture from Treaty Ports to World War II examines multiple dimensions of visual modernity in East Asia from the nineteenth century through the early decades of the twentieth. The papers were drawn from two symposia held at the Center for the Art of East Asia in the Department of Art History, the University of Chicago, which brought out important themes in East Asian Art and visual culture in the nineteenth and twentieth centuries including photography, cinema, and fashion, changing roles of women, commercialization of art, and the impact of Western cultures. They undertook a broad interpretation of visual modernity to include visual dimensions of human endeavor traditionally seen as outside of artistic production in order to encourage exploration of new and understudied materials across disciplinary boundaries. This volume not only provides important background in the growth of modern visual culture in East Asia, but also is a collection of seminal research on specific topics that have a broad impact upon present-day visual arts of China and Japan.

Andreas Kaplony, Phillipe Fôret (Hg.) – "The Journey of Maps and Images on the Silk Road" Brill, 2008

Kaplony 2008
This book covers new ground on the diffusion and transmission of geographical knowledge that occurred at critical junctures in the long history of the Silk Road. Much of twentieth-century scholarship on the Silk Road examined the ancient archaeological objects and medieval historical records found within each cultural area, while the consequences of long-distance interaction across Eurasia remained poorly studied. Here ample attention is given to the journeys that notions and objects undertook to transmit spatial values to other civilizations. In retracing the steps of four major circuits right across the many civilizations that shared the Silk Road, The Journey of Maps and Images on the Silk Road traces the ways in which maps and images surmounted spatial, historical and cultural divisions.

Katalog der Handschriften der Zentralbibliothek Zürich: Arabisch, türkische und persische Handschriften. Bearbeitet von Tobias Nünlist / Andreas Kaplony / Tobias Heinzelmann. Harrassowitz Verlag, 2008

Katalog der Handschriften der Zentralbibliothek Zürich
Der Katalog beschreibt die Manuskripte aus dem islamischen Kulturraum in der Zentralbibliothek Zürich. Die Sammlung umfasst 90 Dokumente mit 63 arabischen, 23 türkischen und 7 persischen Texten, deren Abschriften zwischen dem 14. und 20. Jh. entstanden sind. Einige Handschriften sind besonders interessant: Ein farbenprächtiger Almanach enthält Voraussagen für das Jahr 1685-86 (Ms.Or. 6). Zwei Rollen behandeln die Genealogie der Osmanen (Subhat al-ahbar ), die durch einen lateinischen Kommentar aus dem 17. Jh. ergänzt wird. (Ms.Or. 22-23). Von hoher Qualität ist eine Abschrift von at-Tahtani ar-Razis (gest. 1364) Lawami 'al-asrar, die 1382 in Isfahan entstanden ist (Ms.Or. 120). Einzelne Handschriften enthalten Illuminationen, seltener auch Miniaturen. Der Katalog vermittelt darüber hinaus einen Einblick in die Anfänge der Islamstudien, die im Anschluss an die Reformation auch in Zürich in Gang gekommen sind. Der Theologe und Semitist Heinrich Hottinger (1620-1677) unterhielt engen Kontakt zum bekannten Orientalisten Christianus Ravius Berlinas (1613-1677).

Sandra Hotz, Klaus Mathis (Hg.) – "Recht, Moral und Faktizität: Festschrift für Walter Ott", Dike, 2008

Hotz 2008
Walter Ott, Ordinarius für Rechtsphilosophie, Rechtstheorie und Privatrecht an der Universität Zürich, doktorierte 1971 bei Arthur Meier-Hayoz mit einer Arbeit über die Problematik einer Typologie im Gesellschaftsrecht. Danach wandte er sich der Rechtsphilosophie und Rechtstheorie zu und verfasste seine Habilitationsschrift "Der Rechtspositivismus", die 1976 in erster und 1992 in zweiter Auflage erschien. Er war dabei einer der Ersten im deutschsprachigen Raum, der sich nicht nur mit der reinen Rechtslehre Kelsens, sondern auch mit der positivistischen Rechtstheorie H. L. A. Harts intensiv befasste. Nebst der Positivismusdiskussion hat sich Walter Ott immer auch mit Gerechtigkeitsfragen, den Rechtstatsachen und dem Privatrecht beschäftigt. Aus einem Kreis von langjährigen Weggefährten und Kollegen aus Lehre und Praxis, Schülern, Doktoranden und Mitarbeitenden stammen die Autoren dieser zu seiner Emeritierung herausgegebenen Festschrift, die zugleich, das versteht sich von selbst, ein liber amicorum ist. So breit wie das Forschungsinteresse von Walter Ott, so vielfältig sind auch die Themen dieser Festschrift, die unter dem wahrlich ökumenischen Titel "Recht, Moral und Faktizität" steht. Die Aufsatzsammlung beginnt mit Beiträgen zum Rechtspositivismus. Danach folgen Texte zu Sprache, Normen und Gesetzgebung, zu rechts- und staatsphilosophischen Fragen, zu Werten und Rechtsprinzipien sowie zu den Rechtstatsachen. Den Abschluss bilden Abhandlungen zum Privatrecht.

Matthias Mahlmann – "Rationalismus in der praktischen Theorie – Normentheorie und praktische Kompetenz", Nomos, 2008

Mahlmann 2008a
In den letzten Jahren hat sich das Interesse an Fragen der Theorie des menschlichen Geistes insgesamt durch Hirnforschung und Kognitionswissenschaften nachhaltig verstärkt. Auch normative Phänomene werden vor diesem Hintergrund in neuem konzeptionellem Rahmen durchdacht. Dabei geht es nicht nur um technische Einzelheiten, sondern um Grundprobleme der menschlichen, persönlichen und gesellschaftlich-politischen Existenz. Die Studie entwickelt vor diesem Hintergrund die konzeptionellen Weichenstellungen einer mentalistischen Rechtstheorie und Grundzüge einer entsprechenden Normentheorie. Leithypothese ist dabei, dass es eine "Universalgrammatik der Moral" gibt, die zu den konstitutiven Grundstrukturen des menschlichen Geistes gehört. Diese Leithypothese ist inzwischen im internationalen Rahmen zu einem produktiven und umstrittenen Ansatz der interdisziplinären Forschung zu den Grundlagen des Rechts geworden. Die Ergebnisse der Überlegungen werden abschließend in den weiteren Rahmen der philosophischen Anthropologie eingebettet. Sie werden als Bestärkung eines skeptischen, aber selbstbewussten Humanismus genommen, der den bemerkenswerten Reichtum an natürlichen geistigen Fähigkeiten der Menschen als einen der wichtigen und zwingenden Gründe dafür empfindet, jede einzelne Person in ihrem Menschsein unnachgiebig und gleich zu achten. Die Neuauflage richtet sich an Rechtswissenschaftler, Philosophen, Soziologen, Psychologen und Kognitionswissenschaftler. Sie liefert eine Normentheorie auf der Basis theoretischer Weichenstellungen, die andere Wissenschaftszweige in den letzten Jahrzehnten bereits produktiv neuorientiert haben.

Matthias Mahlmann – "Elemente einer ethischen Grundrechtstheorie", Nomos, 2008

Mahlmann 2008b
Die Untersuchung wendet sich Grundlagenproblemen zu: Inwieweit ist die Auslegung, Anwendung und Legitimation von Grundrechtsnormen durch ethische Maßstäbe notwendig bestimmt? Dabei geht es um methodischen Erkenntnisgewinn, eine materiell-normative Stellungnahme zu Kernnormen der Grundrechtsordnung in nationaler und internationaler Perspektive und um die Legitimationsprobleme einer internationalen Menschenrechtskultur. Dazu wird zunächst das Verhältnis von Recht und Moral in historischer und systematischer Hinsicht bestimmt. Dann werden Menschenwürde, Freiheit und Gleichheit als Rechtsbegriffe untersucht – ideengeschichtlich und in ihrer Entfaltung durch das Bundesverfassungsgericht. Schließlich werden systematisch-normativ die Kerngehalte einer universalistischen, säkularen, materiellen ethischen Grundrechtstheorie entworfen. In Auseinandersetzung mit der Moralepistemologie der Gegenwartsethik wird der Rationalitätsspruch dieser Theorie abgesichert. Abschließend werden die Ergebnisse der Überlegungen als skeptisch-humanistische Ermutigung verstanden, das Projekt einer weltbürgerlichen Rechtswissenschaft zu betreiben.

Matthias Mahlmann, Christian Joerges, Ulrich K. Preuß (Hg.) – "'Schmerzliche Erfahrungen der Vergangenheit' und der Prozess der Konstitutionalisierung Europas", Springer Verlag, 2008

Mahlmann 2008c
Der Fortschritt der Integration und die Erweiterung der Union haben das Projekt einer Verfassungsgebung für Europa motiviert. Unabhängig vom Schicksal des von den Staats- und Regierungschefs i.J. 2004 verabschiedeten Verfassungsvertrages bleibt die Suche nach einer konstitutionellen Form der Union auf der Tagesordnung der Europapolitik. Die geschichtliche Bestimmtheit der europäischen Integration und die sich aus ihr ergebenden Belastungen sind in diesen Debatten kaum ausdrücklich thematisiert worden. Der Band bringt die Gegenwart der Vergangenheit Europas in Beiträgen von Juristen, Historikern und Sozialwissenschaftlern zur Sprache. Europa werde um die Auseinandersetzungen mit seiner Vergangenheit nicht umhin kommen, lautet ein Leitmotiv der Beiträge. Diese Prozesse und ihre Ambivalenzen sind kaum beherrschbar. Es kommt umso mehr darauf an, Formen der Aufarbeitung der Vergangenheit zu finden, in denen das europäische Projekt eine neue soziale Akzeptanz gewinnt.

Henning Sievert – Zwischen arabischer Provinz und Hoher Pforte. Ergon Verlag, 2008

Zwischen arabischer Provinz und Hoher Pforte
Ragib Mehmed Pasa (st. 1763) gilt als bedeutender Staatsmann und genießt zugleich einigen Ruhm als Dichter und Gelehrter. Er gehörte zur aufsteigenden Schicht der literarisch gebildeten Bürokraten, war jedoch zugleich ein Vermittler zwischen Angehörigen verschiedener Gruppen sowie zwischen Istanbul einerseits und Syrien, Ägypten, Irak andererseits. Diese Arbeit untersucht an Ragib Pasas Beispiel die sozialen und kulturellen Verflechtungen, die das Osmanische Reich mindestens ebenso sehr zusammenhielten wie ökonomische Interessen und militärische Gewalt. Bei der Betrachtung der Wechselwirkungen zwischen der Hauptstadt und den anderen Reichsteilen liegt der Fokus auf den arabischen Provinzen, wobei osmanisch-türkische ebenso wie arabischsprachige Quellen berücksichtigt werden. Im Mittelpunkt steht die Frage, was für Beziehungen Ragib Pasa im Laufe seiner langen Karriere zu Personen in der Hauptstadt und in den Provinzen aufbaute - ein oft vernachlässigter oder einseitig interpretierter Aspekt, der für das soziale Gefüge und für den einzelnen jedoch von größter Wichtigkeit war. Es geht dabei sowohl um "rein" politische Verbindungen (und Feindschaften) als auch um die Themen des Austausches und die Bedeutung der verschiedenen Arten von Bildung. 

Paola von Wyss-Giacosa, Wolfgang Marschall, Andreas Isler (Hg.) – "Genauigkeit – Schöne Wissenschaft", Benteli, 2008

Wyss-Giacosa 2008
"Genauigkeit produziert eine eigene Art des Schönen. Deshalb ist die Genauigkeit, wie ich sie für die Ethnographie, ob visuell oder verbal, fordere, eine Praxis der Kunst." Diese Kernsätze in Michael Oppitz' im Jahr 1989 erschienenen Buch "Kunst der Genauigkeit" gelten für das gesamte Werk des Ethnographen Oppitz vom Abriss der strukturalen Anthropologie "Notwendige Beziehungen" (1974) bis zur jüngst präsentierten Ausstellung "Trommeln der Schamanen" (2007). Aus einem breiten Spektrum fachlicher Ausrichtungen kommen die Freunde und Kollegen von Michael Oppitz, die mit der Genauigkeit als Maxime ihre Essays zum keineswegs gelösten Problem vorlegen, was es mit dieser Genauigkeit auf sich hat. Übersetzungen können genauer sein als andere. Musik ist genau in Bezug worauf? Gibt es eine Skizzengenauigkeit und eine Gemäldeimagination? Lässt sich mit notwendig linearer Sprache die dichte Gleichzeitigkeit hunderter Elemente eines Rituals wiedergeben? Filmstills, Photographien, Zeichnungen und andere Bildwerke bereichern ergänzend und widersprechend diesen an- und aufregenden Band.

Norman Backhaus, Ulrike Müller-Böker, Matthias Buschle, Nina Gorgus, Urs Müller, Trinidad Moreno (Hg.) – "Kraft der Bilder: Vorstellungen über Nachhaltigkeit – ein Entscheidungsspiel", Geographisches Institut, Abteilung Humangeographie, Universität Zürich, 2006

Backhaus 2006
Erscheint anlässlich der Ausstellung "Die Macht und Kraft der Bilder. Wie für Nachhaltigkeit argumentiert wird" des Geographischen Instituts der Universität Zürich und des Seminars für Volkskunde/Europäische Ethnologie der Universität Basel.

Helmut Brinker – "Laozi flankt, Konfuzius dribbelt: China scheinnar im abseits: vom Fussball und seiner heimlichen Wiege", Peter Lang, 2006

2006 Brinker
Seit dem zweiten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung haben chinesische Historiographen, Literaten und Künstler aufmerksam das Thema «Fussball» verfolgt und dessen positive Wirkung auf Körper und Geist gepriesen. Diese kunst- und kulturgeschichtliche Studie untersucht zahlreiche literarische und bildliche Darstellungen und zeichnet die Entwicklungslinien nach von den mythischen Anfängen hin zu ethisch-moralischer Tugendbildung, zu paramilitärischem Konditionstraining sowie zur aktiven Freizeitgestaltung und der Fussballbegeisterung an den Höfen einiger Kaiser. Bildliche Darstellungen bieten einen Einblick in den technisch perfekten Umgang mit dem Ball, der seit etwa 700 n. Chr. «runder» wurde und nun mit Luft gefüllt war. Dadurch veränderten sich Spielgestaltung und Regeln, Technik und Taktik. Es entstanden die ersten Ligen und Vereine. Auch Frauen und Kinder nahmen aktiv am Fussballspiel teil und versuchten den Ball nicht flach, sondern hoch zu halten. Enzyklopädisten trugen historische und formale Aspekte sowie Beobachtungen zu Regeln und Spielgeräten zusammen. Ein wissenschaftlicher Anhang mit einem Ausblick nach Japan rundet die Darlegungen ab und bietet die Möglichkeit, dem Phänomen Fussball an seiner heimlichen Wiege weiter nachzugehen.

Robert Gassmann – "Verwandtschaft und Gesellschaft im alten China – Begriffe, Strukturen und Prozesse", Peter Lang, 2006

2006 Gassmann
Das Thema «Verwandtschaft» oder «Gesellschaft» wird im Zusammenhang mit dem antiken China meist nur summarisch oder dann auf spezielle Aspekte bezogen behandelt. Obwohl ein vertieftes Verständnis dieser beiden Bereiche die notwendigen kontextuellen Informationen für die Interpretation des zugehörigen Schrifttums liefert, gibt es bisher keine diese Anforderungen erfüllende Studie. Durch ein akribisches Quellenstudium lassen sich aber sehr viele Einsichten in das Zusammenwirken von Verwandtschaft und Gesellschaft gewinnen. Diese Studie beschäftigt sich in einem ersten Teil mit den Bezeichnungen für die relevanten Verwandtschaftsformationen (Klan, Stamm, Sippe). Dabei werden insbesondere die genealogischen und geneataktischen Strukturen dieser Formationen freigelegt, die Zugehörigkeitsparameter untersucht und definiert und die Folgen für gewisse Formen der Ahnenverehrung (im sog. zhao-mu-System) diskutiert. Im zweiten Teil werden die Gliederungselemente der segmentären Gesellschaft (ren und min), verschiedene gesellschaftliche Gruppierungen (z.B. die jun-zi oder die Herrschermütter) sowie allgemeine Charakteristika der Gesellschaft analysiert und beschrieben. Im Schlussteil werden insbesondere Namens-, Anrede- und Referenzformen im Hinblick auf ihre Aussagekraft für die gesellschaftlichen Positionen der Träger untersucht. Einige rekonstruierte Genealogien aus dem Fürstentum Lu runden das Ganze ab.

Sandra Hotz – "Japanische, deutsche und schweizerische Irrtumsregelungen", Mohr Siebeck, 2006

Hotz 2006
Die Willensstörung in der Willensbildung bei Vertragsschluss ist ein klassisches Problem des Vertragsrechts, das sich im Verbraucherverhältnis modern präsentiert. Sandra Hotz untersucht, was das für die Irrtumsregelung bedeutet. Sie zeigt zunächst die Entwicklung der Irrtumsregelungen auf und wie es dazu kam, dass in Japan das deutsche Bürgerliche Recht und die deutsche Irrtumsregelung rezipiert wurden. Trotz der unterschiedlichen Irrtumsregelungen der drei Kodifikationen entstanden ähnliche Fallgruppen für den "ausnahmsweise beachtlichen Motivirrtum" nach deutschem, den "Grundlagenirrtum" nach schweizerischem Recht und den "Yôso no Sakugo" nach japanischem Recht. In Deutschland und der Schweiz ist die Irrtumsdogmatik weit gehend erstarrt, in Japan ist sie vergleichsweise bewegt. In der Diskussion um einen angemessenen Vertragsschutz des Verbrauchers und im Vergleich zu den modernen Vertragslösungsrechten, die in allen drei Ländern initiiert und in Deutschland und Japan bereits unterschiedlich geregelt wurden, zeigt sich, dass die "klassische Irrtumslehre" vieles birgt, was für die Wahrung der materialen Selbstbestimmung der Verbraucherseite besser genutzt werden könnte. Umgekehrt geben moderne verbraucherschützende Informationspflichten zu wesentlichen Eigenschaften des Vertragsgegenstandes Auskunft darüber, was neue Kriterien für die "Wesentlichkeit" des Motivirrtums sein können. Es zeigt sich also, dass eine Wechselwirkung zwischen Irrtumsrecht und Verbraucherschutzrechten bisher vernachlässigt wurde.

Paola von Wyss-Giacosa – "Religionsbilder der frühen Aufklärung", Benteli Verlag, 2006

2006 Wyss-Giacosa
Bernard Picarts Tafeln für die Cérémonies et Coutumes religieuses de tous les Peuples du Monde. Die Cérémonies waren ein Grossereignis in der Verlagsgeschichte der frühen Aufklärung und gehören zu den faszinierendsten Anthologien dieser Epoche. Das reich illustrierte Buch von Paola von Wyss-Giacosa zeichnet erstmals ihre Entstehungsgeschichte und Bedeutung vor dem Hintergrund protestantisch-aufklärerischer Religionskritik nach. Im Zentrum steht dabei Picart als ein Illustrator mit höchsten künstlerischen und wissenschaftlichen Ansprüchen. Aus seiner sorgfältigen, langjährigen „Feldforschung“ in der jüdischen Gemeinschaft Amsterdams ging, wie die Studie darlegt, eine eindrückliche Werkgruppe von unersetzlichem historischem Quellenwert hervor. Für die gut hundert Tafeln zu den Zeremonien der Völker Amerikas, Asiens und Afrikas, die er nicht aus eigener Anschauung kannte, musste Picart hingegen auf frühere Bilder und Texte zurückgreifen. Am Beispiel der Indien gewidmeten Tafeln und gestützt auf vielfältiges Bildmaterial zeigt die Autorin, dass auch Picarts Darstellungen fremder Kulturen als geistesgeschichtlich bedeutende Dokumente der Anfänge einer visuellen Ethnographie und vergleichenden Religionswissenschaft betrachtet werden müssen.