Vom Verbrechen zur Krankheit? Der iranische Mediendiskurs über Drogen und Drogenpolitik (1995-2000)
Doktorand: David Arn, lic.phil.
Betreuer: Prof. Dr. Andreas Kaplony
Forschungsfeld: Verflechtungsgeschichten
Abstract

Die Analyse drogenbezogener Artikel, welche zwischen 1995-2000 in den iranischen Tageszeitungen erschienen sind, zeigt in der Tat, dass sich die Berichterstattung seit Amtsantritt von Präsident Khatami stark verändert. Der Drogendiskurs kann somit als Indiz für die generelle ideologische Infragestellung der früheren ideologischen Rigidität und Starrheit durch die Reformbewegung gelten. Allerdings beginnen iranische Zeitungen bereits zuvor, vermehrt und zunehmend kritisch über die offizielle Drogenpolitik zu berichten, insbesondere die Zeitungen der moderaten Konservativen um den damaligen Präsidenten Rafsanjani. Diese haben später die neuen Reformzeitungen, jedoch auch die Blätter der radikalen Konservativen nachhaltig beeinflusst.
Obwohl iranische Zeitungen in der Regel als Sprachrohre entsprechender politischer und ideologischer Gruppierungen dienen, lässt sich während des Untersuchungszeitraums ein zunehmendes Selbstbewusstsein der Presse als unabhängige Kontrollinstanz – oder eben als vierte Macht - gegenüber der Regierungspolitik feststellen. Die treibende Kraft hinter der Tendenz zur Liberalisierung, zum Pragmatismus und zum Verantwortungsbewusstsein der iranischen Berichterstattung über Drogen war zuerst die Presse der moderaten Konservativen und später der Reformer. Allerdings wurde der öffentliche Drogendiskurs von Zeitungen jeglicher Couleur geprägt, auch von radikaleren. Diese gegenseitige Beeinflussung erklärt, weshalb die iranische Presse auch nach der Zwangsschliessung der Reformzeitungen weiterhin kritisch über Drogen und die staatliche Drogenpolitik berichtet hat.
