Buddhismus zwischen Philosophie und Religion 1875-1900: Diskurse und soziale Strömungen in England, nachgewiesen in den Texten von F.M. Müller, H.P. Blavatsky und A.P. Sinett

Verantwortlich für das Dissertationsprojekt: Sarah Vandenreydt, lic.phil.
Finanzierung: UFSP Asien und Europa
Projektdauer: Januar 2009 – Dezember 2010
Promotionskommission: Prof. Dr. Christoph Uehlinger, Religionswissenschaftliches Seminar/UFSP Asien und Europa; Prof. Dr. Raji C. Steineck, Asien-Orient-Institut, Japanologie/UFSP Asien und Europa; PD Dr. Helmut Zander (Ruhruniversität Bochum)
Forschungsfeld: Begriffe und Taxonomien

Waldrand beim Tibet-Institut in Rikon

Abstract

Das Forschungsprojekt befasst sich mit Vorstellungen und Zuschreibungen über „den Buddhismus“ als „Philosophie“ und/oder „Religion“. Die Geschichte der Verwendung dieser Begriffe in der Religionswissenschaft hängt eng mit der westlichen Begriffsgeschichte und westlichen Konstruktionen von „Religion“ bzw. des „Religiösen“ zusammen. Die Dissertation gründet zum einen auf einer Analyse westlicher Elitendiskurse des 19. Jahrhunderts im religionswissenschaftlichen sowie im theosophischen Bereich. Die Untersuchung der Schriften und des Verhältnisses von Friederich Max Müller (1823-1900), Gründer der Religionswissenschaft,  und Helena Petrovna Blavatsky (1832-1891), Gründerin der Theosophischen Gesellschaft, dient als paradigmatisches Beispiel. Sie soll zeigen, wie die Entdeckung, Konstruktion und Darstellung des „Buddhismus“ als Religion und/oder als Philosophie Teil eines spezifischen westlichen Machtdiskurses war, der durch diese konzeptuelle Zuordnung Legitimität gegenüber Naturwissenschaften und religiösen Institutionen gewinnen sollte.

Zum andern werden in Rahmen einer Feldforschung  Daten aus dem aktuellen Schweizer Kontext, genauer dem Elitendiskurs gegenwärtig in der Schweiz tätiger buddhistischer Lehrer erforscht und analysiert: Wie stellt sich hier die Dichotomie „Philosophie/Religion“ in den öffentlichen Präsentationen des Buddhismus dar?

In einem dritten Schritt soll das in der Feldforschung erhobene Meinungsspektrum mit der westlichen religionswissenschaftlichen Begriffsgeschichte verglichen werden. Dadurch soll bestimmt werden ob und ggf. wie wissenschaftliche Konzepte des 19. Und 20. Jahrhunderts aktuelle Interpretationen von Praktizierenden, namentlich der Eliten, geprägt haben und immer noch prägen. Wie interagieren wissenschaftliche Diskurse mit solchen von Religionsexperten? Was steht mit der Distinktion Religion vs. Philosophie und damit verknüpften Dichotomien (wissenschaftlich/populär, transzendent/immanent u.a.) auf dem Spiel?