Begräbnispraxis in China zwischen „Wirtschaftsrationalität“ und „Verschwendung“: Eine Untersuchung zur Rolle ökonomischer Klassifikationen innerhalb einer modernen Konzeption von Religion

Verantwortlich für das Dissertationsprojekt: Dr. des. Philipp Hetmanczyk (Dissertation 2016)
Finanzierung: UFSP Asien und Europa
Projektdauer: September 2010 – August 2013
Promotionskommission: Prof. Dr. Dorothea Lüddeckens, Religionswissenschaftliches Seminar/UFSP Asien und Europa; Prof. Dr. Christoph Uehlinger, Religionswissenschaftliches Seminar/UFSP Asien und Europa; Prof. Dr. Hubert Seiwert, Religionswissenschaftliches Seminar der Universität Leipzig; Prof. Dr. Philip Clart, Ostasiatisches Seminar der Universität Leipzig/Sinologie
Forschungsfeld: Begriffe und Taxonomien

Das Dissertationsprojekt fragt nach der Entstehung und Funktion ökonomischer Kategorien innerhalb der religionspolitischen Umstrukturierungen in China im Zeitraum zwischen dem späten Kaiserreich und der Etablierung der Volksrepublik. Anhand einer Analyse der diskursiven Bewertungen und den konkreten Transformationen der Bestattungspraxis in China wird untersucht, inwiefern die Konstruktion einer als „modern“ vorgestellten Wirtschaftsrationalität Einfluss auf die ökonomische Umgestaltung religiöser Praktiken genommen hat und nimmt. Zu nennen sind hier beispielsweise die Kritik an kostspieligen Begräbnisformen als „Verschwendung“ oder der Versuch, traditionelle Erdbestattung, unter dem Verweis auf Bodeneinsparung, durch forcierte Propagierung der Feuerbestattung zu ersetzen.

Desweiteren wird untersucht, ob und wie sich die am historischen Beispiel sichtbar werdenden Vorstellungen über eine rationalisierte Moderne, welche eine bestimmte Konstellation zwischen religiöser und ökonomischer Sphäre zugrundelegen, ebenso im Bereich wissenschaftlicher Theoriebildung über das Verhältnis von Religion und Ökonomie widerspiegeln. So werden bestehende Ansätze der sog. Religionsökonomik hinsichtlich ihrer eigenen wirtschaftsrationalen Implikationen befragt, wobei zu prüfen ist, inwiefern sowohl von Seiten chinesischer Religionspolitik als auch seitens der Religionstheorie eine „moderne“ Perzeption von Religion zugrunde liegt, die einen Ausschluss ökonomisch dysfunktionaler Aspekte befördert. Unter Rückgriff auf Theorien George Batailles, Robert Hertz‘ oder Pierre Bourdieus soll eine Perspektive erarbeitet werden, die gerade die ökonomische Dysfunktionalität als religionstheoretisch signifikantes Moment fokussiert.