Bildung, Sprache und Identitätspolitik im post-sowjetischen Tatarstan

Verantwortlich für das Dissertationsprojekt: Dr. Dilyara Suleymanova (Dissertation 2013)
Finanzierung: Humer-Stiftung für akademische Nachwuchskräfte
Projektdauer: Januar 2009 – Dezember 2011
Promotionskommission: Prof. Dr. Peter Finke, Ethnologisches Seminar/UFSP Asien und Europa; Prof. Dr. Katharina Michaelowa, Institut für Politikwissenschaft/UFSP Asien und Europa; Prof. Dr. Christian Giordano, Seminar für Sozialanthropologie, Universität Fribourg/Freiburg.
Forschungsfeld: Normen und Ordnungen

Schulfest in einer tatarischen Schule, Kasan, Russland

Abstract

Seit dem Zerfall der Sowjetunion verfolgt die Republik Tatarstan – eine autonome Republik innerhalb der Russischen Föderation – das Projekt einer eigenen Nationsbildung. Dabei wird die ethnische und religiöse Diversität der Republik Tatarstan, in welcher muslimische Tataren, orthodoxe Russen sowie finno-ugrische Völker friedlich nebeneinander leben, als Kennzeichen der Tatarstanischen Nation dargestellt. Sprach- und Bildungspolitik sind die wichtigsten Bereiche, in denen diese neue post-sowjetische Identität Tatarstans konstruiert wird. Gleichzeitig spielt Sprache und Bildung eine grosse Rolle in den Prozessen der sozialen und ethnischen Interaktionen im multiethnischen Tatarstan. Mein Dissertationsprojekt setzt sich zum Ziel, einerseits die Bildungspolitik auf staatlicher Ebene und andererseits die Praktiken der Schule auf lokaler Ebene zu untersuchen. Zudem geht es darum zu analysieren, welchen Platz und welche Bedeutung die Schule in den sozialen und interkulturellen Beziehungen der Bevölkerung innehat. Die Untersuchung stützt sich auf die Ergebnisse einer Feldforschung in einer kleinen Stadt in Tatarstan, die unter anderem auch ethnographische Beobachtungen in den Schulen einschliesst, sowie auf Erforschungen zur Hauptstadt Kazan. Die leitenden Fragen sind in diesem Zusammenhang: Was ist das Verhältnis zwischen Bildung, Sprache und Identität? Welche Werte, Ideologien und Identitätskategorien werden durch die Schule übermittelt? Welche Repräsentationen und Diskurse werden von den Schulkindern und ihren Eltern angenommen?

Ausführliche Projektbeschreibung (PDF, 73 KB)