Bestattungspraktiken in Taiwan: Tradition, Moderne und ritueller Wandel

Verantwortlich für das Dissertationsprojekt: Urs Weber, M.A.
Finanzierung: Schweizerischer Nationalfonds
Projektdauer: seit Februar 2015
Promotionskommission: Prof. Dr. Rafael Walthert, Religionswissenschaft.
Forschungsfeld: Normen und Ordnungen

Abstract

In den vergangenen drei Jahrzehnten haben in Taiwan drastische Veränderungen in der Bestattungspraxis stattgefunden. Während es traditionell üblich war, Verstorbene in üppigen Grabanlagen beizusetzen, hat sich seit den 80er Jahren die Kremation als dominierende Form des Umgangs mit sterblichen Überresten etabliert; damit einhergehend sind alternative Bestattungsformen aufgekommen. Dieser Wandel offenbart Spannungen zwischen religiösen Traditionen und moderner Gesellschaft.

Nebst gesellschaftlichen Veränderungen wie Urbanisierung und Landknappheit haben politische Massnahmen zur Förderung der Kremation zu diesem Wandel beigetragen. Im Zuge von Bestattungsreformen werden so herkömmliche Beisetzungen von staatlichen Stellen verschiedentlich als problematisch eingestuft: Beispielsweise werden sie aufgrund der Landknappheit als nicht praktizierbar charakterisiert, oder auch in ihrer rituellen Dimension als unpassend und für das soziale Umfeld störend kritisiert.

Dieser Wandel bei Bestattungen wird im Projekt erstens auf der Ebene der praktischen Durchführung, wie auch zweitens anhand der Diskussionen über die traditionellen Begräbnisrituale untersucht. Gemäss dem religionssoziologischen Interesse des Projekts wird daran anschliessend drittens das Verhältnis von religiösen Traditionen und moderner Gesellschaft analysiert.

Als religionssoziologisches Projekt leistet die Arbeit einen Beitrag zur Erforschung von religiöser Praxis in einer nicht-westlichen, durch eigene Traditionen, aber gleichwohl von Modernisierungs- und Globalisierungsprozessen gekennzeichneten Region. Mit dem Thema wird darüber hinaus ein Beitrag zur Erforschung der Kremation und eines damit einhergehenden, weltweit stattfindenden Wandels im Umgang mit Verstorbenen geleistet.