Japan und der Islam, 1890–1914: Zwischen globaler Kommunikation und panasiatischer Bewegung

Verantwortlich für das Dissertationsprojekt: Dr. des. Ulrich Brandenburg (Dissertation 2017)
Finanzierung: UFSP Asien und Europa
Projektdauer: September 2011 – August 2014
Promotionskommission: Prof. Dr. Bettina Dennerlein, Orientalisches Seminar/UFSP Asien und Europa
Forschungsfeld: Normen und Ordnungen

Abstract

Das Ende des 19. Jahrhunderts war eine Zeit, in der die Welt durch die rasante Entwicklung von Transport- und Kommunikationsmitteln eine bis dahin beispiellose Vernetzung erfuhr. Gleichzeitig geriet fast der gesamte Globus unter die direkte und indirekte Herrschaft der europäischen Staaten und der USA. Mein Dissertationsprojekt untersucht aus globalhistorischer Perspektive und mit den Mitteln der historischen Diskursanalyse, wie in diesem Zusammenhang einer ungleichen Weltordnung Konzeptionen von panasiatischer Gemeinschaft formuliert und global zirkuliert wurden. Hierbei werden vor allem Zirkulationen von Wissen und Informationen innerhalb von Printmedien in den Blick genommen, wobei Quellen in arabischer, osmanischer und japanischer sowie in europäischen Sprachen analysiert werden. Die Beziehungen zwischen Japan und dem Islam exemplifizieren in besonderer Weise den panasiatischen Gedanken. Obwohl die Kontakte zwischen Japan und den islamischen Ländern auch Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts noch sehr beschränkt waren, zirkulierten periodisch Pressemeldungen und Spekulationen, dass die Japaner entweder den Islam als Staatsreligion annehmen könnten oder den Islam in ihrer Aussenpolitik instrumentalisieren wollten. Bislang wurden diese (Falsch-)Meldungen zumeist als Ausdruck muslimischer Japanschwärmerei in der Folge des Russisch-Japanischen Kriegs 1904/05 betrachtet, doch lässt sich nachweisen, dass auch in Europa, Japan und anderswo über das japanische Islaminteresse berichtet und debattiert wurde. Auch wurde bereits um 1910 durch panasiatische Akteure in Japan islamische Propaganda für eigene Zwecke nutzbar gemacht.

Die Dissertation setzt sich zum Ziel, die Zirkulationswege von Meldungen über ein japanisches Islaminteresse nachzuvollziehen und ihre häufig stark divergierenden lokalen Rezeptionen zu erschliessen, des weiteren darzulegen, auf welchen Grundlagen der Gedanke eines islamischen Japans für panasiatische Weltvorstellungen nutzbar gemacht werden konnte. Hierbei sollen die in den Asienwissenschaften häufig noch vorausgesetzten Raumkonzeptionen (Japan-Westen-islamische Welt) aufgebrochen und gezeigt werden, inwieweit am Ende des langen 19. Jahrhunderts Weltvorstellungen durch Wissensaustausch, durch Informationen und Fehlinformationen im globalen Raum formiert wurden.