Chinesische Konzeptionen des Vertrauens

Verantwortlich für das Dissertationsprojekt: Dr. Dominik Linggi (Dissertation 2010)
Finanzierung: UFSP Asien und Europa
Projektdauer: März 2006 – Februar 2009
Betreuer: Prof. Dr. Volker Bornschier
Forschungsfeld: Normen und Ordnungen

Abstract

Was das Vertrauensniveau betrifft, rangiert die VR China bei Standardumfragen im Rahmen internationaler Ländervergleiche jeweils überraschenderweise unter den Ländern mit einem sehr hohen Vertrauensniveau – ein Befund, der in der Forschergemeinschaft immer wieder für Erstaunen sorgte und bisher noch nicht in befriedigendem Masse erklärt werden konnte. Diese Arbeit widmet sich deshalb zunächst der kritischen methodischen Betrachtung der statistischen Ergebnisse zu Vertrauen auf Länderebene im Allgemeinen wie auch zu China im Speziellen, wobei gezeigt werden kann, dass die Umfrageergebnisse bezüglich Vertrauen auf internationaler Ebene zwar valide sind, dem Vertrauen aber je nach kulturellem Kontext eine andere Konnotation, insbesondere was den Vertrauensradius betrifft, zugrunde liegen kann.

Anschliessend folgt eine Erörterung der chinesischen Forschungsarbeiten zu Vertrauen, wobei insbesondere die neueren Bücher und wissenschaftlichen Artikel zu diesem Thema aufgear-beitet werden. Das Augenmerk liegt dabei vorwiegend darauf, welche Begriffe die chinesi-schen Soziologen für Vertrauen verwenden, welche Unterschiede zum Westen sie sehen und wie sie die heutige Situation in China in Bezug auf das Vertrauen einschätzen – insbesondere weshalb sie von einer Vertrauenskrise im gegenwärtigen China sprechen. Im dritten und letzten Teil der Arbeit werden die Ergebnisse der eigenen qualitativen Forschung zu Vertrauenskonzeptionen in der VR China und in Taiwan präsentiert, die in Anlehnung an die Grounded Theory durch die Auswertung der geführten Interviews erarbeitet wurden.