The Paradox of Good Intentions: The Biography of Private Giving in Post-Tsunami Sri Lanka

Verantwortlich für das Dissertationsprojekt: Dr. Pia Hollenbach (Promotion 2014)
Finanzierung: Humer-Stiftung für akademische Nachwuchskräfte
Projektdauer: Juni 2008 – Mai 2011
Promotionskommission: Prof. Dr. Benedikt Korf, Politische Geographie, Abteilung Humangeographie/UFSP Asien und Europa; Prof. Dr. Christoph Uehlinger, Religionswissenschaft, Religionswissenschaftliches Seminar/UFSP Asien und Europa; Dr. Urs Geiser, Humangeographie, Universität Zürich; Prof. Dr. Jonathan Spencer, Sozialanthropologie, Universität Edinburgh
Forschungsfeld: Normen und Ordnungen

Abstract

Der Tsunami im indischen Ozean am 26. Dezember 2004 rief eine der größten Spendenaufkommen hervor, die es nach einer Naturkatastrophe je gegeben hat. Einige internationale Hilfsorganisation erhielten innerhalb von zwei Tagen so viele Spenden wie sie sonst in einem "guten" Spendenjahr erhalten. Der Druck der Hilfsorganisationen Projekte zeitnah und medienwirksam umzusetzen stieg mit jeder Spende und jedem Medienbericht vom Ort des Geschehens weiter an. Die 13 Tsunami betroffenen Länder galten schnell als überfördert und von Hilfsorganisationen, privaten Hilfsinitiativen und bilateraler Hilfsprojekte überrannt. Der Tsunami Wiederaufbau und das Arbeitsfeld der Humanitären Hilfe wurde zu einem hart umkämpften "Konkurrenzgeschäft". Moral und Ethikanspruch humanitärer und Katastrophenhilfe wurden häufig hinten angestellt, internationale humanitäre Standards und Verhaltensregeln übergangen.

Im Bereich der Humanitären Hilfe sind wenig fundierte ethnographische Forschungserkenntnisse vorhanden. Vor diesem Hintergrund zielt die vorliegende Forschungsarbeit darauf ab, aktuelle wissenschaftliche Ansätze weniger auf der Grundlage von Prinzipien, sondern auf praktischen Erfahrungen der Nothilfe weiter zu entwickeln. Basis der Forschungsarbeit stellen die praktischen Erfahrungen, die die Forscherin durch ihre zweieinhalb Jahre Tätigkeit bei einer deutschen Hilfsorganisation in Sri Lanka gemacht hat. Als empirische Grundlage dient zum einen die teilnehmende Beobachtung und viele geführte und dokumentierte Gespräche mit den beteiligten Akteuren (Geldgeber, Hilfsorganisation, staatliche Strukturen in Sri Lanka, Empfänger). Aufbauend auf dieser Grundlage werden aus ethnographischem Blickwinkel praktische Erfahrungswerte von Nothilfemitarbeitern und Durchführungsorganisationen den Erwartungen, der Bewunderung und Kritik aller beteiligten Akteure in Zusammenhang gestellt und relativiert. Selbst eingebunden in die Hilfsmaschinerie des Tsunami Wiederaufbaus, ermöglicht es die alltägliche Erfahrung im Geber-Nehmer System und durch Verhandlung mit beteiligten Akteuren das Hilfs-System zu dekodieren und theoretisch zu erklären. Wie und warum werden bestimmte Entscheidungen und Ziele etabliert und wie wird das "Geschäft mit der Hilfe" gestaltet.